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Fliegen in Mazedonien PDF Drucken E-Mail

 

Kruševo von Peter Jeskulke, 9.16

 

 

-Dort ist die Zeit vor 100 Jahren stehen geblieben-

 

 

 

 

 

So müsst ihr euch Kruševo vorstellen (Autos und Smartphones vielleicht ausgeblendet). Eine Stadt mit ca. 1000 Einwohnern auf 1200-1300 m Höhe in den Bergen von Mazedonien. Sie liegt in einem kleinen Talkessel malerisch in die Berge eingebettet. Maultiere auf der Strasse, mit denen wird Knüppelholz aus dem Wald geholt, man heizt ausschließlich mit Holz.

 

 

Kleinvieh im Hinterhof, die Menschen zu Fuß auf der Strasse, kleine Kneipen und Gaststätten und vieles mehr macht den Charme des Ortes aus, den auch die mazedonischen Städter lieben. Alte, teils verfallene Bausubstanz neben modernen frisch gestrischenen Häusern bunt durcheinander gewürfelt. Dazu frische Luft auch im stickigen Sommer, da kann man es aushalten. Die Ebene am Fuße der Berge ist 30 x 100 km groß, von meist bewaldetem Gebirge bis 1700 m eingerahmt. Die Autos dort sind bunt gemischt, neben modernen Wagen Modelle aus den 50-er Jahren, abenteuerlich!

 

 

 

Computer und Smartphones sind natürlich allgegenwärtig wie weltweit! Leider gibt es auch ein kleines Müllproblem, häufig wild abgekippter Müll, viele Plastiktüten und -flaschen.

 

 

Die Menschen dort sind aber alle sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn man keine gemeinsame Sprache fand. Mit Händen und Füßen ging es immer und machte Spaß! Es wird dort viel Tabak angebaut, Obst, Gemüse und Wein ebenso. In den Restaurants kann man sehr schön essen, typische Balkan-Küche mit viel Paprika, Gemüse und Salat.

 

 

Das Bier in der Kneipe kostet z.B. 1€ der halbe Liter, für uns alles sehr preiswert.

 

 

 

Tabak, Anbau und Trocknen

 

 

Die einzigen ausländischen Touristen sind die Gleitschirmflieger. Und bei denen wird das Gebiet immer bekannter, nicht zuletzt durch die Wettbewerbe wie die EM 2 Wochen vor unserem Aufenthalt. Sehr vorraussagbare nicht turbulente Thermik, 300 Sonnentag im Jahr, oft schwache Winde vorwiegend aus N-NO und eine hohe Basis sind die Zutaten nicht nur für gutes XC-Fliegen.

 

 

Daraus hat Igor Todewsky sein "Geschäftsmodell" gemacht. Er hat die Abholung am Flughafen organisiert (2 Std. Fahrt, 15 €/Pers./Strecke), gewohnt wird in seinem Haus in netten Zimmern, alle Fahrten zum Startplatz und die Abholung nach XC Flügen sind ebenso wie das Frühstück, ein Lunchpaket und 1-2 abendlich Dinners inclusive. Und es hat gut funktioniert!

 

 

Das Haus ist ein Motto-Haus, Medusa-Temple. Hier zwei Bilder von netten Kleinigkeiten im Haus mit Medusa-Bezug.

 

 

 

Igor selbst ist 41 Jahre alt, nett und unkompliziert, weiß was er tut wenn es ums Fliegen geht und gibt kurze aber gute Tipps zum Gebiet und zur Flugtechnik, wenn ihm irgendetwas auffällt, hilft am Startplatz und fliegt selbst mit, wenn nicht zu große Gruppen da sind. Dabei ist sein Motto: Man muss in der Luft eine Gruppe immer von unten führen, damit die Nachfolger über ihm in der neuen Thermik ankommen. Nur dann geht es zügig gemeinsam weiter. Dabei riskierte er einige Male frühzeitige Landungen (bomb outs). Ihr glaubt es nicht, aus welch niedrigen Höhen man dort wieder Thermik finden und aufdrehen kann! Über der Ebene darf man erst aufgeben, wenn ein Bein fast schon den Boden berührt! Jedes Dorf, jeder Traktor, Kühe oder auf den Feldern arbeitende Menschen können Thermikauslöser sein, auch wenn man nur noch 30 m darüber ist!

 

 

Über den bewaldeten Bergen entsteht kaum Thermik, dort ist es auch oft zu flach für gute Abrisskanten, so dass die warme Luft aus der Ebene vom NO-Wind sanft die Hügel hoch geschoben wird. Neue Thermik sollte man deshalb eher am Fuß der Berge über den Dörfern oder Feldern suchen, wenn man tief kommt! Das ist etwas anders, als wir es gewohnt sind. Insgesamt ein sehr sicheres Fluggebiet, überall am Fuß der Berge und in der Ebene Landeplätze und keine turbulenten Leesituationen aufgrund der flachen runden Berge mit meist laminarer Anströmung.

 

 

Am großzügigen Startplatz, direkt oben am Gipfelgrad, 5 min mit dem Auto vom Haus entfernt auf 1450 m Höhe blies zeitweise  ein kräftiger Startwind, der durch einen Geländeinschnitt etwas kanalisiert wurde. Man sollte schon gut rückwärts starten können. War man dann vom Hang weg, wurde es deutlich ruhiger.

 

 

Wir waren 2 Wochen dort, in der ersten hatte Igor viel mit einer norwegischen Gruppe mit 19 Leuten zu tun. Das war wettertechnisch die gute Woche. Wir bekamen Tipps am Startplatz und flogen dann ohne Igor: enjoy the flight! Landung, SMS, prompte Abholung, wir hatten einen privaten Fahrer. In der zweiten Woche gab es leider viel Regen, vollkommen untypisch für die Jahreszeit, also auch fliegerisch nicht ergiebig.

 

Am 3.9. haben wir es geschafft, mit Igor zusammen und anfangs noch mit einem Isländer, Bjartmar, eine schöne Strecke zum Prespasee zu fliegen. Bjartmar haben wir verloren (bomb out nach 25 km), unseren "Guide" Igor anfangs mehrfach als Tiefflieger über Dörfern und Feldern suchen müssen, aber als es dann in die Berge ging, traf er uns wieder und wir hatten tolle Wolken und schöne Thermik.

 

 

Wir hörten über Funk: "lets go to these Mountains, there are nice clouds" und schon hielt Igor auf die größte und mächtigste Kumuluswolke zu, suchte zentral den 6-m Bart und stieg uns davon, während wir brav am Wolkenrand unseren Fluchtweg offen hielten und mit 3 m Steigen zufrieden waren. Dann sahen wir Igor direkt an der Basis, wie er seinen Schirm zu 60 % zusammenfaltete, mit gehaltenem Klapper und wild schlagendem Segel zügig zu uns runterkam und über Funk rief: 60%-Kollaps is the best way to leave thermals with 7 m/sec. sinking! Wildes Manöver! Kurz vor Ende des Fluges mussten wir einen Pass überqueren, kamen tief und Erika und ich versuchten einen Nullschieber zu nutzen in der Hoffnung, noch etwas mehr zu finden. Igor drehte 2 Runden, fand es zu wenig und zog weiter - dont waist your time, come on! - und flog in das Lee hinter einer Bergkette, um über den nächsten freien Feldern warme Luft zu suchen. Fanden wir dann auch, aber es reichte nicht mehr, um den Flug fortzusetzen. Also Landung nach knapp 60 km an einer Strasse mit Bar fürs Landebier. Ein sehr schöner Flug.

 

 

Wieder ein sonniger Tag, aber zuviel Wind zum fliegen, Igor schlug sightseeing vor. Erst Besuch eines Weststartplatzes gegenüber auf der anderen Seite der Ebene direkt bei einem schönen alten orthodoxen Kloster in den Bergen bei Prilep, dem Trescavec Kloster.

 

 

Und dann unser Urlaubshighlight:

Es ging im Auto über einen abenteuerlichen Schotterweg zu einem verlassenen Marmorsteinbruch in den Bergen, der voll Wasser gelaufen und damit unbrauchbar und verlassen war. Das war der Knaller: weißer Marmor glatte Wände, 40 m tiefes türkisfarbenes Wasser mit 23 ° C! So was hatten wir noch nie gesehen! Seht selbst: Der Marmorsee

 

 

Wenn ihr genau hinseht, ich sitze am gegenüberliegenden Ufer auf dem Mamorabsatz, das waren Dimensionen!

 

 

Am Abend noch eine Stunde Soaren in dem jetzt etwas abgeflauten nicht mehr thermisch durchsetzten Wind. Toplanden üben, stehen in der Luft, wing-overn und viele kleine Spielchen, das war ein toller Abschluß, Bjartmar aus Island schoss schöne Bilder von uns beiden!.

 

 

Dann kam der Regen: etwas wandern, Brombeeren und Pilze suchen, lesen, Besuch einer Höhle in den Bergen bei überfluteten Strassen in der Ebene, Forellen essen und nette Gespräche mit Igor und seiner Freundin.

 

 

 

 

Am vorletzten Tag Besuch des Ohridsees mit dem Auto (eigentlich wollte ich da gerne nochmal hinfliegen). Igor fuhr selbst, alles was im Weg war wurde schnell und hupend überholt, gleichzeitig wurde der Tag per Handy (war eigentlich immer am Ohr) schnell mal geplant: Wo bekomme ich den besten Fisch, kann der Wirt ihn abends für uns zubereiten, welche Uhrzeit, usw....

Am See in Ohrid angekommen wurde erstmal der 70 cm lange, 5 kg schwere im See endemisch vorkommende Ohrid-Karpfen gekauft ....

 

 

.... und dann der Ort besichtigt. Ein schöner Ort mit vielen Sehenswürdigkeiten, u.A. eines der am besten erhaltenen Amphietheater aus der Römerzeit!

 

 

 

Danach ging es 30 km am See entlang in einen kleinen Fischerort direkt unter dem Galichica Nationalpark, einem extrem schönen Fluggebiet, das wir wetterbedingt leider nicht erleben durften.

 

 

Der Fisch wurde dem Wirt gegeben, von diesem extrem schmackhaft auf dem Grill zubereitet und auf einer Terrasse am See verspeist.

 

 

Als Vorspeise typisch Mazedonisch: ein (oder zwei oder...) Rakia (Traubenschnaps) und Salat mit Fetakäse. Beim Fisch dann gebackene Kartoffeln, leckeren mazedonischen Wein und nette Gespräche. Auch so kann man Regentage aushalten. Das war eines dieser Dinner, die im Preis inbegriffen sind.

 

Am letzten Tag dann noch viele Wolken, mittags nur sehr schwache Thermik, wir haben drei kürzere Flüge gemacht.

 

 

Sind dabei zwei Mal im gleichen Dorf gelandet, zuerst mussten wir zwecks Abholer-SMS nach dem Namen des Ortes fragen. Man fragte uns woher wir kämen, ... ah germansk! und man versorgte uns erst einmal mit Weintrauben. Sehr nette Leute, wie überall sprachen nur die Kinder Englisch.

 

 

Beim zweiten Mal Landung auf dem Fußballfeld der Dorfjugend, sofort Kinder dabei, dürfen wir helfen, woher kommt ihr und wie alt bist du? (Sie hatten meine grauen Haare gesehen.) Die Eljährigen sprachen sehr gutes Englisch und haben dann später gedolmetscht, als Erwachsene dazukamen. Solche Begegnungen sind schon sehr schön.

 

 

Zum letzten Abend vor dem Abflug bereitete Igor uns ein ganz hervorragendes Steak zu mit Pilzen aus der Region, dazu leckerer Wein, gemütliches Kaminfeuer und viel Spaß. Alles in allem ein runder Urlaub. Wir können uns sehr gut vorstellen, dort mal mit einer Gruppe aus dem Verein Urlaub zu machen.

 

Man sollte sich aber klar machen, dass nicht alles so perfekt wie in deutschen Hotels oder Frühstückspensionen ist, da kann mal die Duschtasse lecken, der W-Lan Router steht zwecks bestem Empfang mitten im Eingangsflur auf dem Boden, das Frühstück wird direkt im sehr schönen Esszimmer und Aufenthaltsraum in einer etwas improvisierten Küchenzeile zubereitet.

 

 

Es kann schon mal die Butter im Papier ohne Schale auf dem Tisch liegen. Dafür gibt es leckere Sachen mit Ei, Paprika, sehr schmackhaften Tomaten, Fetakäse und Waldhonig aus der Region.

Wer damit klar kommt erlebt dann aber einen entspannten und unkomplizierten Urlaub.

Viele Grüße

 

 

Erika und Peter

Wir haben noch einen kleinen Film zusammengestellt, wer ihn sehen möchte: https://vimeo.com/185247141

 

 

 

 

 
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